Montag, 24. April 2017

Im Dar Batha

Im Dezember dachte ich noch: ach! Ende April - das ist ja noch so lange hin! Und plötzlich ist der April da, fast ist er schon vorbei - und ich bin in Fes - wie immer wenn mein Aufenthalt in Marokko zu Ende geht.

Fes, diese alte ehrwürdige Stadt, verzaubert mich jedes Mal. Und jedes Mal finde ich neue Facetten, die mein Wissen über diese Stadt ergänzen.

Im Dar Batha bin ich schon öfter gewesen. Dies ist ein Wesir-Palast aus dem Ende des 19. Jahrhunderts, gleich neben der Medina gelegen.

1912 wurde in ihm der Vertrag unterzeichnet, mit dem Marokko zum Protektorat Frankreichs wurde. 1915 wurde es in eines der ersten Museen Marokkos umgewandelt, es werden besondere Exemplare des traditionellen Kunsthandwerks gezeigt. Die Vitrinen sind kaum beschriftet und die Exponate sind von sehr unterschiedlicher Qualität. Trotzdem ist der Besuch sehr empfehlenswert, weil das Gebäude selbst mit seinen wunderbaren Fliesen-Mustern und seinem andalusischen Garten einen beeindruckenden Einblick in die marokkanische Kultur gibt.


Wir kamen diesmal ins Dar Batha, weil wir gehört hatten, dass zwei besondere Künstler dort arbeiten. Vater Si Mohamed und Sohn Taoufik Kadiri üben das edle Handwerk der Marketerie aus.


Schon der Großvater hatte seine Werkstadt in dem Museum.

Feine Kästchen, Bilderrahmen, Brieföffner und einiges andere mehr werden von ihnen mit unendlicher Geduld und großer Genauigkeit mit einem Muster aus verschiedenen Hölzern überzogen. Ihre Werkstatt hat darum einen ganz eigenen Duft.

Wir haben Ihnen lange zugesehen und dann natürlich auch einige schöne Stücke mitgenommen. Mittlerweile haben wir eine schöne Sammlung marokkanischer Handwerkskunst, die unser Zuhause verschönt. Wenn ich so ein Stück in die Hand nehme, träume ich manchmal ein wenig von dem Land, zu dem ich bald wieder zurückkehren werde - inshallah!

Freitag, 7. April 2017

The arch has fallen

Am Strand von Legzira spazieren zu gehen war immer ein besonderer Höhepunkt meiner Marokko-Reisen. Nicht nur der flache lange Sandstrand vor der steilen Abbruchkante, die kleinen Restaurants und das alte Hippie-Feeling machten den Reiz aus - und diese Mixtur macht den Strand gut 3 Stunden Fahrt südlich von Agadir am Atlantik natürlich immer noch sehr anziehend.






Das ganz besondere waren die beiden Felsentore. Ich habe mich immer ein wenig gegruselt, wenn ich unter den dunklen Bögen durchging - aber man denkt: in Jahrtausenden ist nichts passiert ...   Im Februar 2016 bin ich zuletzt unter dem Pferdefuß durchgegangen,



Im März fiel ein großer Brocken herunter und im September begann es Steine zu regnen. Ende September dann kam der große Knall - der Bogen brach ein. Gleich nach dem Knall hat ein Augenzeuge dieses Video gemacht:




Gestern war ich wieder an diesem Strand. Unter dem noch intakten großen Bogen bin ich mit recht gemischten Gefühlen durchgegangen. Der anschließende Strandabschnitt ist noch immer wunderschön.






Am Ende steht man aber vor diesem Geröllberg.











Von all der Anmut ist nichts geblieben. Nur auf einer Hauswand in Sidi Ifni zeigt sich der Bogen noch in all seiner Pracht. 








Sonntag, 2. April 2017

Es ist vollbracht

Seit Dezember 2016 bin ich in Sidi Ifni in Süd-Marokko. Wir haben ja hier im letzten Jahr ein kleines Haus gekauft und in diesem Winter sollte es auf einen auch längerfristig guten Stand gebracht werden. Das Haus war zwar gut gebaut, aber doch ziemlich einfach ausgestattet.



Gedacht hatte mein Mann so an 4 bis 6 Wochen. Es sind drei Monate geworden ...
Zuerst mußte alles aus dem Haus geschafft werden, was wir nicht behalten wollten. Es fanden sich Abnehmer für wirklich alle Dinge, die wir vor die Tür stellten. Dann klotzen drei Männer Tag für Tag tüchtig ran.



Und Stück für Stück wurde es hübscher und hübscher. Der Inhalt eines 4-Tonnen-Anhängers verschwand im Haus (Badewanne, Möbel alle Arten, Bücher, Baumaterial etc.).










meine Dachterrasse



Ich hatte da nicht so viel zu tun; also konnte ich lange Spaziergänge machen und schöne Bücher lesen.









Seit nunmehr zwei Wochen wohnen wir im Haus und freuen uns jeden Tag darüber. Aber diese Wintersaison ist nun auch bald vorbei - das Haus wird eingemottet und wartet auf uns bis zum nächsten November.

Mittwoch, 22. Februar 2017

Shopping in Ifni

Einkaufen ist auch in Sidi Ifni ein wichtiger Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens. Für Teilzeit-Ifnaui wie mich gilt das natürlich besonders, denn ich kann dabei Menschen kennen lernen und das tägliche Leben beobachten.








Es gibt ja glücklicherweise noch keinen großen Supermarkt hier - darum können eine Unzahl von kleinen und kleinsten Läden überleben.















Jedes Viertel, jede Straße hat eine ausreichende Grundversorgung mit allem was die Hausfrau, der Handwerker oder der Fischer so braucht.

Natürlich gibt es auch Schmuckgeschäfte, die aber nicht jeden Tag geöffnet haben.


















ein ausgezeichneter Bäcker - auch die Bienen lieben ihn!

Überhaupt - obwohl die Öffnungszeiten sehr großzügig ausgelegt sind, steht man immer wieder unerwartet vor geschlossenen Türen. Ich habe schon mal gehört: der hat auf dem Land zu tun oder: der macht nur auf, wenn er Lust dazu hat ....



ein Tor zum Markt





Die "Onkel Hassan-Läden" (so nenne ich sie in Anlehnung an unsere verschwundenen Tante-Emma-Läden) bleiben hoffentlich noch lange erhalten - an mir soll es nicht liegen!

Freitag, 10. Februar 2017

They make Sidi Ifni great again.

Lange Zeit war Sidi Ifni ein verschlafenes Nest. Seit den Demonstrationen von 2008 ändert sich das langsam aber beständig. Nachdem in den letzten Jahren die Parks der Stadt - von denen es einige gibt - wieder ansehnlich gemacht wurden, werden sie jetzt regelmäßig in Stand gehalten. 


Es werden viele Häuser neu gebaut oder renoviert - offensichtlich ist Geld in die Stadt gekommen. Die Bautechnik ist aber immer noch sehr einfach.



Das Oued, also das Flusstal - ist zur Zeit eine Großbaustelle. Man baut eine neue Brücke, die einem eventuellen neuen Hochwasser standhalten soll.



 Es werden viele Rohrleitungen verbuddelt und neue Kreisverkehre und Bürgersteige angelegt. So nach und nach sieht man, dass das sehr ansehnlich werden wird.



die Badewanne kommt!
Auch unser Bauvorhaben geht voran - wenn auch langsamer als gedacht. Viele Details machen mehr Arbeit als wir erwartet haben - aber mein Mann hat gute Helfer gefunden. Jeden Tag wird etwas fertig - ich hoffe, dass wir in 2 Wochen einziehen können. 







Dienstag, 27. Dezember 2016

Das Ende der Mika

Zu den ornithologischen Besonderheiten Marokkos gehörte der "Tütenvogel" - in der Nähe von Märkten schwebte er bei leichtem Wind in großer Zahl in der Luft, weil alle Einkäufe sorgsam in dünne Plastiktüten verpackt wurden !

Nun droht mica versicoloria aus-
zusterben, denn seit diesem Sommer sind Plastiktüten in Marokko verboten. Jeder Marokkaner verbrauchte im Schnitt pro Jahr rund 900 Mikas - wie die Plastiktüten auf arabisch genannt werden. Rechtzeitig für die große Umweltkonferenz in Marrakech wurde umgesteuert.










Ich habe es ehrlich gesagt nicht ganz geglaubt, dass so eine radikale Aktion durchsetzbar ist - aber ich habe mich getäuscht. Schon bei meinem ersten Einkauf in einem Supermarkt gab es nur noch große Taschen oder einfache Stoffbeutel gegen Gebühr.



Und hier in Ifni auf dem großen Markt: ob Mann ob Frau ob Tourist - der Einkaufs-Beutel setzt sich durch. 

Für die Produzenten der Tüten gab es übrigens finanzielle Hilfen für die Umstellung der Produktion auf nützlichere Artikel. 
Ich habe sicherheitshalber einige meiner Stoffbeutel aus Deutschland mitgebracht und liege damit hier voll im Trend!

Freitag, 16. Dezember 2016

Neue Erfahrungen

Die Fahrt von München zum Hafen von Genua war eine Reise von der bayrischen Kälte in die milde Atmosphäre der alten Hafenstadt am Mittelmeer. Überdies bietet dieser Hafen schon einen Vorgeschmack auf Marokko, weil fast alle Reisendes marokkanische Gastarbeiter in Italien sind.


Die Überfahrt von Genua nach Tanger-Med dauerte gut 2 Tage, das hängt vom Wetter und so allerlei Unwägbarkeiten ab. Die Durchquerung des Golfs von Lyon war schaukelig, aber auch auf der Strecke zwischen Barcelona und Tanger war das Meer immer ein wenig unruhig. Ich komme damit gut zurecht, aber viel mehr Wackelei hätte es nicht sein dürfen.


In Tanger kamen wir am frühen Abend an. Wir standen dann erst einmal eine gute Stunde bei der üblichen Zollstation herum, bis endlich die Ansage kam: zurück, runter zu den "Transporteuren". Da standen in einem umzäunten Gelände all die Fahrzeuge, die wir immer auf dem Schiff sehen - voll bepackt bis hoch hinauf. Ich war ziemlich ratlos, denn niemand konnte uns sagen, wie das da funktioniert. Ich stürzte mich also ins Gewühl: lauter marokkanische Männer - müde, bärtige, abgekämpfte Gestalten - jeder damit beschäftigt, seine Ladung durch den Zoll  zu bringen. Nachdem ich einen ersten Versuch die Zöllner anzusprechen aufgeben mußte, hatte ich wirklich keine Idee, wie das weitergehen könnte. Da sprach mich einer dieser bärtigen, müden, abgekämpften Männer an: Sprechen Sie Deutsch? Von diesem Moment an ging alles wunderbar voran. Der Mann war ein Transporteur, der Waren zwischen Deutschland und Marokko liefert. Er lief für uns rastlos von Pontius zu Pilatus. Um 4 Uhr morgens hatte er es geschafft, wir waren durch den Zoll - mit viel weniger Kosten als wir befürchtet hatten und auch ohne unseren Hänger auspacken zu müssen. Eine Durchsicht unserer Packliste hatte genügt. Zu allem Überfluss wollte der Mann dann auch kein Geld von uns - die Schokolade für seine Kinder hat ihn mehr gefreut. Bilder konnte ich in dieser Zollstation nicht machen - das hätte wohl Ärger gegeben. Insgesamt habe ich mich als einzige Frau dort aber nie unwohl oder gar bedroht gefühlt!


Am nächsten Tag fuhren wir nach Mohammedia zum neuen IKEA, kauften noch einige Bücherschränke, die wir unter nicht unerheblichem Krafteinsatz sowohl im Hänger als auch im Wohnmobil  verstauten und machten uns auf in den Süden.

der Schatten unseres Camper-Trucks zieht übers Land





Über den hohen Atlas, vorbei an Agadir und wiederum über die Ausläufer des Antiatlas kamen wir - endlich - nach Sidi Ifni. Davon erzähle ich dann ein andermal ....

Sonntag, 27. November 2016

on the road again


Der November zeigt sich in München von seiner trüben Seite - umso mehr freue ich mich, dass wir in wenigen Tagen wieder auf Achse sein werden. Unser Wohnmobil ist geputzt, gepackt und absolut startklar. Diesmal haben aber mit einen Anhänger hinten dran, in dem wir viele Möbel, reichlich Werkzeug, Bücher, Geschirr, Kleidung usw. transportieren, die für unser neues Haus in Sidi Ifni bestimmt sind.

Gesamtlänge des Zuges: 17 Meter




Das Haus ist zwar sehr hübsch und gemütlich, wir wollen es aber doch noch hübscher und gemütlicher machen.
Übrigens - auf diesen Blick von der Terrasse freue ich mich schon sehr!


















Wir fahren diesesmal von Genua aus nach Tanger-Med. Um diese Jahreszeit ist das Meer manchmal recht bewegt - ich hoffe, dass unsere Fuhre nicht allzusehr durchgerüttelt wird.

im Hafen von Genua
Ein guter Teil des Abenteuers wird diesmal der Grenzübertritt in Marokko sein. Ich habe über mehrere Monate versucht, das marokkanische Konsulat für mich zu interessieren, leider ohne jedes Echo. Natürlich wollten wir die erforderlichen Papiere für die Verzollung bereit haben, aber leider, leider - weder per Email noch per Fax konnte ich den Herrschaften ein Lebenszeichen entlocken. So werden wir also frohgemut in Tanger aufschlagen und auf das Motto eines deutschen Freundes in Marokko vertrauen: In Marokko ist alles möglich, nur nichts schnell. Und Zeit haben wir ja!

Ich werde in diesem Winter wohl mehr über das Abenteuer einer Hausrenovierung mit marokkanischen Handwerkern berichten - aber sicher auch ein wenig über Land und Leute. Bis bald!

Montag, 30. Mai 2016

Von Tanger an die Isar

Es ist so schnell gegangen. Die Fähre nach Europa hat mich in den Alltag zurückgeschleudert - ich habe gar keine Muße gefunden, über meine letzten Tage in Tanger und die Heimreise  zu berichten. Jetzt - nachdem ich endlich die Wäscheberge abgetragen und meine Steuererklärung abgegeben habe - will ich das gerne nachholen.




verblichener Glanz
Wir hatten diesmal wirklich Glück mit dem Wetter. Im April kann es in Tanger auch ausdauernd regnen - uns schien die Sonne und da macht natürlich ein Stadtbummel viel mehr Vergnügen. Ich musste natürlich in die Medina, an den Hafen  - eben mitten hinein in  den Trubel dieser Stadt.











ein lebensfroher Händler in der Medina





















Diese großen Wandgemälde kannte ich lange nur aus Asilah, wo
es einen richtigen offiziellen Wetttbewerb gibt. Wie ich gerade gelesen habe, wird diese Art der Straßenkunst jetzt auch in anderen Städten Marokkos gefördert. Hier ist der große Reisende Ibn Battuta abgebildet. Er stammt aus Tanger und ist  im 14. Jahrhundert - sozusagen als der Marco Polo der arabischen Welt - angeblich 120.000 km durch Nordafrika und Asien gewandert. Auch von ihm gibt es ein Buch - die "Rihla" (Wanderung).


Es fällt mir jedes Jahr schwer, aus Marokko wegzugehen, mich in diesen Schiffsbauch zu begeben, der mich nach Europa bringt. Dieses Jahr war es ein wenig leichter, weil ich ja jetzt mein Häuschen in Sidi Ifni habe ...



Bei unserem Zwischenstop in Barcelona passierte unsere Fähre einige dieser Monster-Kreuzfahrtschiffe. Dies ist eine Art des Urlaubs - Reisen würde ich das nicht nennen - die mir ganz und gar fremd ist. Aber es wird immer beliebter!



Auch der Morgen in Genua empfing uns diesmal mit leuchtendem Sonnenschein - aber für diese Stadt kann ich mich leider nicht erwärmen, der Hafenbereich ist ein einziges städtebauliches Disaster.
 
 


 
 




In München hatten wir gleich Besuch von unserem marokkanischen Hundefreund Willi, der - wenn man es genau nimmt - Schuld daran hat, dass wir uns in Sidi Ifni sesshaft gemacht haben. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein ander mal erzählt werden....


Ein langer Spaziergang mit Willi führte mich an die Isar, da wo München ganz besonders schön ist. Eine Weile werde ich hier bleiben und hoffen, dass es auch hier Sommer wird!