Donnerstag, 11. Dezember 2014

Im Überfluß


Die letzten Jahre waren im Süden Marokko Zeiten des Wassermangels. Im Herbst wurde in den Moscheen um Wasser gebetet. Ende November kam es – im Überfluss.

Wir waren gerade in Marokko eingetroffen und zu einem meiner Lieblingsorte – Essaouira an Atlantik – gefahren, da kündigte sich eine gewaltige Regen- und Sturmfront an. Wir erlebten die Vorbereitungen im Hafen. Die Boote wurden aus dem Hafenbecken geholt, die Strandmöblierung in Sicherheit gebracht. 


Dann regnete es drei Tage – teilweise so heftig, dass ich im Wohnmobil wegen des Lärms kaum schlafen konnte. Wir hörten von Überschwemmungen und übervollen Staubecken, zerstörten Straßen und über 30 Ertrunkenen im Süden und beschlossen deshalb mit der Weiterfahrt zu warten. Das folgende Wochenende brachte für die Küste und den Antiatlas noch größere Wassermassen und weitere Todesfälle.  Ausgerechnet unser nächstes Reiseziel – die Küstenstadt Sidi Ifni – war unter den besonders hart getroffenen Orten. 
Die Stadt und ihre 20.000 Bewohner waren nicht mehr über Straßen zu erreichen. Sie mussten – ohne Strom und ohne Wasser – durch Fischerboote aus Agadir übers Meer und durch Hubschrauber versorgt werden.


Wir haben dann in Agadir eine Woche abgewartet, bis wir hörten, dass eine Notbrücke in die Stadt befahrbar war – und machten uns auf den Weg. Auf den letzten 50 km vor Sidi Ifni sahen wir zerbrochene Brücken und überschwemmte Felder.


Die Einfahrt nach Sidi Ifni beginnt mit einem Blick über das Tal – da sahen wir, dass die Gärten im Tal verschwunden waren und die neuen Campingplätze , die man ins Hochwasserbett gebaut hatte, zerstört waren. 


Auf dem Weg zu unserem Campingplatz El Barco, der erhöht am Strand liegt, sahen wir, wie schlimm es die unmittelbaren Anwohner getroffen hatte.


Wir sahen aber auch – und dass von Tag zu Tag – dass die Aufräumungsarbeiten ungeheuer schnell und effizient vorangingen. Am Tag nach unserer Ankunft floss wieder Wasser aus den Leitungen und überall fingen die Menschen an zu waschen und zu putzen. Unter der strahlenden Wintersonne schien sich das Leben wieder zu normalisieren.


Insgesamt waren etwa 40 Wohnmobile am Ort und die Menschen sahen dies offensichtlich als positives Zeichen an – wir wurden ungemein freundlich begrüßt und der Krapfenbäcker schenkte meinem Mann vor Freude sogar eine Tüte von seinem Gebäck. Er freute sich anscheinend, dass wieder die ersten alten Kunden auftauchten!
Die Altstadt auf dem Berg ist unversehrt – aber unsere ersten Versuche, das Umland zu erkunden, scheiterten an den zerstörten Straßen. Wir werden einige Zeit hier bleiben und hoffen, dass es weiterhin so schnell mit dem Abräumen der Schlammberge und des Schwemmgutes, dem Reparieren der Straßen und der Infrastruktur vorangeht!